Dank an Gerd Stranz

Vor 8 Jahren, 2011, wurde Gerd Stranz als Leiter der Geschäftsstelle NRW der Vereinigung der Waldorfkindergärten kurz vor seiner Pensionierung fristlos entlassen. Alle genannten oder vermutbaren Gründe kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Sie rechtfertigen ein derart unanständiges Vorgehen in keinster Weise. Alle vor Gericht gebrachten Anschuldigungen erwiesen sich dort unmittelbar als haltlos.

Lieber Gerd,

mir ist es seit langem ein inniger Wunsch, daß Deine so segensreiche Arbeit auch öffentlich gewürdigt wird und nicht nur im Stillen oder Privatem von meinen vielen KollegInnen und mir, deren Bemühen um die Kinder Du auf die intensivste und bis heute unvergessene Weise über rund 20 Jahre unterstützt hast. Und diese Öffentlichkeit, wenn auch in sehr kleiner Form, habe ich mir jetzt mit diesem Blog selbst schaffen können und müssen.

Wohlan: Als ich Anfang der neunziger Jahre als Waldorfpädagoge und Kindergartenleiter hier in Düsseldorf begann, hast Du gleichzeitig Deine Tätigkeit für die Vereinigung der Waldorfkindergärten übernommen. Es dauerte nicht lange, da hast Du meinen Kindergarten und mich besucht um den Kontakt persönlich aufzubauen, so wie Du in Deinen ersten Monaten alle Waldorfkindergärten in Nordrhein-Westfalen besucht hast. Und bis zuletzt hast Du keinen dieser Kontakte dann abreißen lassen.

Du brachtest eine reichhaltige Erfahrung aus Deiner vorherigen Tätigkeit beim Paritätischen mit. Du hattest die besten Kontakte zu allen Menschen und Institutionen, die sich in Politik und Gesellschaft um die frühe Kindheit bemühten. All dieses machtest Du unmittelbar für die Waldorfkindergärten fruchtbar. Man spürte es allerorten: Die Vereinigung der Waldorfkindergärten galt damals etwas in Nordrhein-Westfalen.

Aber mindestens ebenso wichtig waren Dir die Menschen auch des kleinsten Kindergartens. Mit anteilnehmendem Interesse hast Du immer wieder nachgefragt, wie es den Verantwortlichen in den einzelnen Einrichtungen ging, ob wo der Schuh drückte, wo Du eventuell helfen könntest. Und wenn Deine Hilfe gebraucht wurde, sei es bei Verhandlungen mit den Jugendämtern, bei Konflikten in den Einrichtungen oder um Träger zu beraten, um nur einige Deiner Tätigkeitsfelder zu nennen, so scheutest Du auch nicht die weitesten Wege und warst zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, so schien es mir zumindest. Dein Support und Dein Know how erwiesen sich als beispiellos.

Nicht lange dauerte es, da verschicktest Du Deine monatlichen Mitteilungen. In ihnen waren Neuigkeiten und Jubiläumsdaten aus den Einrichtungen, soweit sie von allgemeinerem Interesse waren, vermerkt neben Kommentierungen der aktuellen politischen und gesetzlichen Entwicklungen im Kindergartenbereich. Nicht nur ich fühlte mich dadurch hervorragend informiert und mit den Waldorfkindergärten der Region insgesamt verbunden.

Es folgten jede Menge bester Ideen, welche Du in vorbildlicher Weise in die Tat umzusetzen wußtest. Als Beispiele seien nur die zahlreichen „Handreichungen“ genannt, mit denen Du allen Kindergärten bei der Umsetzung rechtlicher oder behördlicher Vorschriften sowie in Verwaltungs- oder Organisationsfragen entscheidend geholfen hast. Oder die Organisation des Aufbaustudienganges „Sozialmanagement“, der mich wie alle anderen Teilnehmer auf einen guten und erfolgreichen Berufsweg gebracht hat. Und vieles mehr!

Dabei warst Du mit Deiner warmherzigen und völlig uneitlen Art immer präsent und ein zuverlässiger Ansprechpartner in allen unseren Berufsfragen. Bis in die kleinsten Kleinigkeiten hast Du immer alles bedacht. So ist es mir etwa in bester Erinnerung, wie Du bei den Gesammtkonferenzen und anderen Veranstaltungen jeden Teilnehmer mit einer kleinen Aufmerksamkeit begrüßt hast. Jeder wurde und fühlte sich persönlich bedacht. Eine gute Atmosphäre war gleich in die Wege geleitet.

Du kamst nicht von der Anthroposophie her, aber durch Dein Beispiel habe ich begriffen, was gerne mit dem Bild der umgekehrte Pyramide zum Ausdruck gebracht wird: Verantwortung etwa in einer Institution zu tragen muß wörtlich genommen werden. Wer an der Spitze steht, muß von unten tragen und nicht von oben dirigieren.

Lieber Gerd, für Deine Jahre bei der Vereinigung bin ich Dir bis heute zutiefst dankbar. Diesen Dank möchte ich hiermit ausprechen. Nicht im Namen der real existierenden „Vereinigung der Waldorfkindergärten“ – das müßten deren Verantwortlichen – sondern im Namen der Vereinigung, die ich im Herzen trage, im Namen dessen, was Vereinigung für mich war, als Du noch tätig warst (sowie Helga Zumpfe und die viel zu früh verstorbene Elvira Volkmann): berufliche und ideele Heimat.

Georg Braunfels

3 Antworten zu “Dank an Gerd Stranz”

  1. Dass ist richtig schön zu lesen,dass dir lieber Gerd endlich gedankt wird !
    Lieber Gerd,
    Danke für all die unterstützenden Gespräche, Taten und Informationen du warst für uns einen sprudelnde Quelle aus der wir viel schöpfen konnten. Wir und die Vereinigung waren reich beschenkt worden durch dich, was aber erst nach diesem Fehlverhalten der damaligen Akteure der Vereinigung klar wurde. Du fehltest an allen Ecken und diese Lücke konnte bis heute nicht geschlossen werden.
    Es ist immer schön wenn ich etwas von Dir höre oder lese.
    Vielen lieben Dank , dass Du uns so reich beschenkt hast!
    Corina Berlandieri

  2. Lieber Herr Stranz,
    gerne nutze auch ich diesen Weg um mich dem herzlichen Dank anzuschliessen. Es ist schon eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal in einem unserer beiden Kindergärten in Krefeld begegneten. Wir durchliefen in unserer Kindergartengemeinschaft der beiden Einrichtungen damals Phasen mit besonderen Herausforderungen, die Sie begleitet haben.
    Seit 1988 durfte ich die Vereinigung und die Gemeinschaft der Waldorfkindergärten in NRW in beruflicher Rolle als Kindergärtnerin aktiv erleben und ich habe nur die besten Erinnerungen an Sie als Mensch, Ansprechpartner und Begleiter für die Fragen, Sorgen und Herausforderungen unserer Kindergärten. Die konkrete und tatkräftige Unterstützung ist mir sehr in Erinnerung und prägt meinen Umgang mit vielen Fragen noch heute. Sie haben die Not der Vereinstrukturen in den Kindergärten gesehen und haben sich sehr dafür eingesetzt, hier Lösungen für die Zukunft zu entwickeln – diese konnten dann leider im Prozess Ihres Ausscheidens nicht mehr ins Leben gerufen werden. Ich bedauere Ihr Ausscheiden bis heute sehr und kann das Handeln der Verantwortlichen auch bis heute nicht nachempfinden. Die Lücke die Ihr Ausscheiden hinterlassen hat, ist aus meiner Sicht bis heute nicht geschlossen. Lieber Herr Stranz, ich denke mit Dankbarkeit an die zukunftsorientierte Zusammenarbeit mit Ihnen zurück! Melanie Kiepe-Zimmermann

  3. Von ganzem Herzen schließe ich mich dieser Ehrung und Danksagung an!
    Lieber Gerd,
    Du prägtest eine Zeit, in der unsere Kindergärten tatsächlich nicht nur vereinigt waren, sondern die Vereinigung einen schützenden Kreis um jeden einzelnen Kindergarten und um uns als Gemeinschaft bildete. Du prägtest eine Zeit in der Worte durch Taten lebendig wurden und die Vereinigung NRW sich auszeichnete durch Kopf, Herz und Hand.
    Danke auch für Deine Freude und Begeisterung, Deine Zuverlässigkeit, Zugewandtheit und Fürsorge!
    Christiane Schröder
    Dortmund

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